Krippengeschichten
Mitten unter den Tieren
Stellt euch vor: Alle Tiere wollten zur
Krippe, auch die Hasen Was würden sie
wohl dem Kind in der Krippe schenken?
Auch die Hasen hatten erfahren, dass der
Heiland in die Welt gekommen war. Daraufhin
versammelte der Hasenkönig alle Seine
Untertanen und sprach zu ihnen:
„Ihr habt ja gehört, dass der Heiland
der Welt geboren ist." „Wir müssen
zu ihm gehen!" riefen alle Hasen im Chor.
„Aber wo werden wir ihn finden?"
fragte einer von ihnen.
„Es ist doch der König der Welt.
Da muss er also in einem prächtigen Schloss
wohnen", meinte ein besonderes schlauer
Hase. „Nein!" sagte der Hasenkönig.
„Das ist es ja gerade: nicht in einem
Schloss, sondern in einem Stall ist er zur
Welt gekommen!"
„In einem Stall?" fragten die Hasen
erstaunt. „Mitten unter den Tieren?"
„Mitten unter den Tieren. Die Menschen
hatten keinen Platz mehr für ihn in ihren
Häusern." „Und auch nicht
in ihren Herzen", fügte einer aus
der Hasenversammlung hinzu.
„Nun", sagte der Hasenkönig,
„wir wollen keine Zeit mit langen Reden
verlieren, sondern wollen zu ihm gehen."
„ Und was nehmen wir mit?", gab
eine Häsin zu bedenken. „Ja, was
nehmen wir mit?", fragten die Hasen im
Chor. „Was können wir schon schenken?"
„ Ich habs!" rief jemand dazwischen,
eine Möhre. „Eine Möhre?"
„Eine Möhre!"
„ Eigentlich hat dieser Zwischenrufer
ganz Recht", stellte der Hasenkönig
fest. „Eine Möhre ist das Kostbarste,
was sich ein Hase vorstellen kann".
Die Hasen kamen zum Stall. Zögernd traten
sie ein. Wie
ärmlich sah es da aus! In einer Krippe
lag das göttliche Kind. Maria, seine
Mutter, war sehr erstaunt, als sie all die
Hasen sah. Sie bemerkte, dass einer von ihnen
etwas hinter seinem Rücken zu verbergen
suchte. Deshalb fragte sie ihn, was er da
verstecke.
„Och", sagte der Hasenkönig,
„es ist nur eine Möhre. Die haben
wir mitgebracht, weil wir sie eigentlich dem
Kinde schenken wollten. Aber jetzt...."
„Jetzt wollt ihr sie nicht mehr abgeben?",
fragte Maria. „Doch, doch!" sagte
der Hasenkönig, „ Aber es ist so
wenig."
„Wenig?", sagte Maria, „ist
eine Möhre denn nicht das Schönste
und Kostbarste, was ein Hasenherz sich vorstellen
kann?"
„Ganz gewiss ist es das", bestätigte
der Hasenkönig. „Für einen
Hasen kann es gar nichts kostbares geben."
„Nun, so legt doch eure kostbare Gabe
vor der Krippe nieder!' Sie taten es und waren
überglücklich.
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Wie Ochs und Esel an die Krippe kamen.
Wir hören, wer ganz nahe an der Krippe
stehen darf.
Als Josef mit Maria auf dem Weg nach Bethlehem
war, rief ein Engel die Tiere heimlich zusammen,
um einige auszuwählen, der Heiligen Familie
im Stalle zu helfen. Als Erster meldete sich
natürlich der Löwe:
„Nur ein König ist würdig,
dem Herrn der Weit zu dienen", brüllte
er, "ich werde jeden zerreißen,
der dem Kinde zu nahe kommt!"
„ Du bist mir zu grimmig", sagte
der Engel.
Darauf schlich sich der Fuchs näher.
Mit unschuldiger Miene meinte er:
„ Ich werde sie gut versorgen. Für
das Gotteskind besorge ich den süßesten
Honig und für die Wöchnerin stehle
ich jeden Morgen ein Huhn!"
„ Du bist mir zu verschlagen",
sagte der Engel.
Da stelzte der Pfau heran. Rauschend entfaltete
er sein Rad und glänzte in seinem Gefieder.
„ Ich will den armseligen Schafstal!
prächtiger schmücken als Salomon
seinen Tempel!"
„ Du bist mir zu eitel", sagte
der Engel.
Es kamen noch viele und priesen ihre Künste
an. Vergeblich. Zuletzt blickte der strenge
Engel noch einmal suchend um sich und sah
Ochs und Esel draußen auf dem Feld dem
Bauern dienen.
Der Engel rief auch sie heran:
„ Was habt ihr anzubieten?"
„Nichts", sagte der Esel und klappte
traurig die Ohren herunter,
„wir haben nichts gelernt außer
Demut und Geduld. Denn alles andere hat uns
immer noch mehr Prügel eingetragen"
Und der Ochs warf schüchtern ein:
„ Aber vielleicht könnten wir dann
und wann mit unseren Schwänzen die Fliegen
verscheuchen!"
Da sagte der Engel:
„Ihr seid die Richtigen!"
Seitdem stehen Ochs und Esel an der Krippe.
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